STS

Rechenschaftsbericht 2008

In ihrem ersten Rechenschaftsbericht hat die seit dem 1. Januar 2008 amtierende Direktorin Dr. Heidy Greco-Kaufmann einschneidende Veränderungen zu verzeichnen, insbesondere in personeller, struktureller und finanzieller Hinsicht. Auch die zunehmende Raumknappheit gibt Anlass zu Sorge: der Ausbau der räumlichen Infrastruktur ist inzwischen an seine Grenzen gestossen. Andererseits kann sie aber auch über erfreuliche Fortschritte und Neuerungen und über Erfolge im Einwerben von Drittmitteln berichten.

A. Stiftungsrat

Im Jahr 2008 tagte der Stiftungsrat der Schweizerischen Theater¬samm¬lung zweimal, um seine Führungs- und Auf¬sichts¬aufgaben wahrzu¬nehmen. Ein neu gebildeter Stiftungsratsausschuss (bestehend aus K. Eggenberger, A. Kotte, H.W. Moser-Ehinger, S. Rüssli) hat zusammen mit der Direktorin Leitlinien zur strategischen Positionierung der STS erarbeitet. Diese sind vom gesamten Stiftungsrat genehmigt worden und unter dem Buchstaben G. wiedergegeben.

Der Stiftungsrat setzte sich Ende 2008 wie folgt zusammen:

Dr. h. c. Hans-Ueli von Allmen ad personam (Stadtpräsident von Thun, Inhaber und Leiter des Schweizerischen Cabaret-, Pantomimen- und Chanson-Archivs) Christine Chenaux Vertreterin des Bundesamtes für Kultur Katharina Eggenberger Vertreterin des Staatssekretariats für Bildung und Forschung Dr. Eric Eigenmann Vertreter der Schweizerischen Gesellschaft für Theaterkultur (Vorstandsmitglied der SGTK) Renate Kohler-Mühlethaler Vertreterin der Stadt Bern (bis Ende 2008) Prof. Dr. Andreas Kotte Vertreter der Universität Bern (ab 9. 4.2008) Hansueli W. Moser-Ehinger Vertreter der Schweizerischen Gesellschaft für Theaterkultur (Präsident der SGTK) Silvan Rüssli Vertreter des Kantons Bern (seit April 2008) Prof. Dr. Werner Senn Vertreter der Universität Bern, Präsident (ab 9.4. 2008 interimistisch) Elena Vuille-Mondada ad personam (Theaterschaffende der Westschweiz)

B. Personelles

Nachdem ab 2008 zusätzlich zu den städtischen auch die kantonalen Subventionen weggefallen waren, ermöglichte die Universität Bern mit einer Finanzierung von 150% Stellenprozenten (befristet auf vier Jahre) die vorläufige Weiterführung der Theatersammlung. Unter dem Strich ergibt sich damit gegenüber 2007 eine Reduktion der Stellenprozente von 320% auf 230%. Ersatz für die aufgehobenen Stellen konnte zum Teil durch die Anstellung von Doktorierenden geschaffen werden, deren Gehälter mit eingeworbenen Drittmitteln für das im Frühjahr lancierte Projekt „Berner Theatergeschichte“ bezahlt werden. Die Doktorandin Regula Gamiz-Brunner (besoldet durch die Universität Bern) gehört seit dem 1.1.2008 mit einem 50%-Pensum zum Team der STS. Seit dem 1.4.2008 arbeitet der Doktorand Manfred Veraguth im Projekt „Berner Theatergeschichte“ mit. Seit dem 1.5. 2008 ist auch Frau Susanna Tschui zu 50% als Doktorandin im Projekt tätig. Alle drei Mitarbeitenden erfüllen daneben für die STS unschätzbare Dienste in den Bereichen Administration und Benutzerbetreuung. Die Belastung durch diese administrativen Arbeiten ist jedoch entschieden zu hoch, was sich auf die Ausführung des Projekts „Berner Theatergeschichte“ auswirkt. Diesem kommt jedoch ein hoher Stellenwert zu, denn zum einen wird damit die von der Universität geforderte Forschungsleistung erbracht, zum anderen dient es der wissenschaftlichen Aufarbeitung von Beständen der Theatersammlung. Mit der für 2011/12 geplanten Ausstellung zur „Berner Theatergeschichte“ wird zudem ein prominenter Auftritt der Theatersammlung in der Öffentlichkeit vorbereitet.

Durch das Anstellungsverhältnis mit der Universität ist der Aufgabenbereich der Direktorin der STS im Vergleich zu demjenigen des Vorgängers markant erweitert worden. PD Dr. Heidy Greco-Kaufmann (Habilitation in Theaterwissenschaft mit spezieller Berücksichtigung der Theatergeschichte im Oktober 2008) ist seit dem 1.1.2008 mit einem 100%-Pensum im Amt. Zusätzlich zur operativen Leitung der Sammlung und Geschäftsführung der Stiftung hat sie Aufgaben im Bereich Forschung und Lehre zu erfüllen, u.a. wissenschaftliche Leitung des Projekts „Berner Theatergeschichte“, ständiger Lehrauftrag an der Universität Bern ab Februar 2009, Betreuung von Studierenden und wissenschaftlichen Arbeiten, Einbindung in die Aktivitäten des ITW. Zu bedenken ist in diesem Zusammenhang, dass die von der Universitätsleitung gesprochenen Mittel auf vier Jahre befristet sind und dass es enormer Anstrengungen bedarf, um die Universität von der Notwendigkeit eines dauerhaften Engagements an der STS zu überzeugen und die befristeten Stellen in unbefristete umzuwandeln. Um Zeit für wissenschaftliche Forschung, Öffentlichkeitsarbeit und Fundraising sicherzustellen, wurden einige Tätigkeitsbereiche des Vorgängers reduziert, ausgelagert oder an Freiwillige delegiert. Die Wartung der Computeranlagen wird im Mandatsverhältnis durch den Informatik-Verantwortlichen des ITW wahrgenommen. Unterstützung bei Buchhaltungsarbeit und Rechnungslegung gewährt das Treuhandbüro „bdo Visura“, das die anfallenden Kosten zu einem grossen Teil sponsert.

Die Direktorin unternahm in ihrem ersten Amtsjahr verschiedene Initiativen, um die personelle und finanzielle Situation der STS zu verbessern. Mit den Gesuchen für das Projekt „Berner Theatergeschichte“ konnte sie Drittmittel im Umfang von Fr. 380’000 (verteilt auf vier Jahre) einwerben. Die im Dezember 2008 erfolgte Gründung des Fördervereins dient zum einen der Rekrutierung von freiwilligen Mitarbeitenden, zum anderen der Erschliessung neuer Finanzquellen (Stand 9.4.2009: 73 Mitglieder, Fr. 9’895.- zugesagte Beiträge). Politische Lobbyarbeit und öffentlichkeitswirksame Auftritte (Presseartikel, Museumsnacht, Zusammenarbeit mit Burgerbibliothek) sowie Fundraising-Aktivitäten sind im Gange und haben bereits erste Früchte getragen. Diese Bemühungen werden fortgesetzt.

Die städtische Dienststelle «Arbeit statt Fürsorge» (AsF) beschäftigte in der STS 2008 erneut bis zu fünf Klientinnen und Klienten. Ihre Löhne wurden durch das Sozialamt der Stadt Bern übernommen. Für ihre Einarbeitung und Betreuung war der Dokumentalist Christian Schneeberger zuständig. Die Stiftung möchte an dieser Stelle den Mitarbeitenden für ihre Leistungen und der Stadt Bern für die Zusammenarbeit bestens danken.

2008 war bereits das siebte Jahr, in welchem die STS Dienste von Freiwilligen in Anspruch nehmen durfte, und zwar durch die Vermittlung des Vereins Benevol. Irene Bachmann stand durchschnittlich an drei Tagen pro Monat zur Verfügung. Gabriele Häsler erfasste an drei Halbtagen pro Woche Daten für das elektronische Informationssystem der STS und betreute die Ablage des Fotoarchivs. Regula von Greyerz wirkte an durchschnittlich vier Halbtagen pro Woche in der Theatersamm¬lung, besorgte Abklärungsarbeiten, gab Daten ein und kümmerte sich insbesondere um die Ergänzung und Verknüpfung der Plakatdatenbank. Im Bereich Dokumentation arbeitete Bernard Amsler an zwei Halbtagen pro Woche mit. Neu zum Team der Freiwilligen gestossen sind Thomas Krebs, der Videoaufzeichnungen vornahm und Katalogisierungsarbeiten verrichtete, sowie Toni Kölbl, der bei der Einarbeitung von Nachlässen und Aufgaben im Bereich der Datenbanken mithalf.

Dank der Bemühungen von Prof. Kotte und des Entgegenkommens der ITW-Sekretärin durfte die STS seit September den ITW-Praktikanten Sandro Lorenzo für zwei halbe Tage pro Woche für administrative Hilfestellungen einsetzen (ohne Kostenbeteiligung!). Die Zusammenarbeit der STS mit dem ITW ist unter der neuen Leitung der STS in vielen Bereichen noch enger geworden. Zum einen wurden Synergien im administrativen Bereich (EDV, Homepage, Büropraktikanten, Bibliothek) entwickelt, zum anderen profitierten Angestellte und Studierende des ITW durch eine verbesserte Kommunikation und ein vermehrtes Eingehen auf die Anliegen aus Lehre und Forschung.

C. Betrieb der Sammlung

0. Vorbemerkung

Die unter Punkt B erwähnten finanziellen und personellen Einschränkungen blieben nicht ohne Auswirkungen auf den Betrieb der Sammlung. Durch den Verzicht auf Neuanschaffungen von Büchern wurde der Bereich Bibliothek geschwächt. Zwar verzeichnet unsere Bibliothek weiterhin einen Zuwachs an aktuellen Buchpublikationen, doch das Erlangen von Gratisexemplaren ist oft mit Sonderanstrengungen verbunden.

1. Benutzerstruktur und -betreuung

Zur Benutzerschaft der STS zählen Personen, die auf verschiedenste Weise mit dem Theater befasst sind. Interessierte aus Publikumskreisen, die ihren Vorstellungs¬besuch vor- oder nachbereiten oder einen Stücktext konsul¬tieren möchten, gehören ebenso dazu wie Universi¬tätsdozierende, welche Recherchen für Lehre und Forschung vorneh¬men. Angehörige des universitären Mittel¬baus, Studierende der Theater¬wissenschaft, der Medien¬wissenschaft und anderer Humanwissen¬schaften ge¬hören selbstverständlich auch zum STS-Benutzerkreis. Praktiker und Praktikerinnen des Berufstheaters ebenso wie jene des Amateur¬theaters sind Stamm¬kunden der STS. Medienschaffende suchen in der Thea¬tersammlung Hintergrund¬infor¬mationen, Grafiker und Grafikerinnen optische Anregungen. Zahlreich sind Schulklassen, die die Theater¬samm¬lung als ausserschulischen Lernort besu¬chen. Insgesamt über¬wiegen die Anliegen der wissenschaftlich motivierten Benutzer¬ jene der kulturell bestimmten.

2. Sammeln und Erschliessen

Ganz im Zentrum der Arbeit zu stehen haben auch – neben der Admini¬stration – das stetige Sammeln und Erschliessen. Weiterhin wurden die vier Sammlungs- und Erschliessungs¬bereiche durch den STS-Mitarbei¬terstab bevorzugt betreut: a. Bibliothek (Bücher, Non-Books und Perio¬dika), b. Ver¬anstalt¬erpublikationen (von Theatern und Gastspiel¬veranstaltern herausgegebene Druck¬schriften), c. Pres¬se¬aus¬schnitte (Rezensionen, Personalia, Fach¬begriffe), d. Video¬auf¬zeich¬nungen (durch TV-Anstalten über¬tragene oder von Büh¬nen selbst auf¬gezeichnete Theateraufführungen, Film- und Fern¬seh¬produk¬tionen von Theaterwerken sowie theater¬dokumenta¬rische Sendungen). Der Zuwachs lässt sich für 2008 wie folgt beziffern:

    2008        2007    Gesamtbestand

Elektronisch katalogisierte Buchtitel: 337 (862) 17’737 * Konfektionierte Presseausschnitte: 9870 ** (11’310) 720’000 **

Mitgeschnittene und erschlossene Videotitel: 352 (493) 9’749 * = diese Zahl entspricht einem Viertel der STS-Buchbestände und versteht sich inklusive Katalogisate aus dem Nachlass Kachler ** = geschätzte Anzahl

Ständig intensiv betreutes «work in progress» ist auch unsere Reperto¬rien¬datei, welche durch Benevol-Mitarbeitende und den Leiter Dokumentation aktuell ge¬halten und retrospektiv erwei¬tert wird. Diese elektronische Dokumen¬tation der Inszenierungen an mittleren und grösseren Schweizer Thea¬tern lässt nicht nur Recherchen nach Autoren und Titeln der aufgeführ¬ten Werke zu, sondern es können damit auch Fragen nach Mitgliedern des Regiestabes, nach In¬ter¬preten, Pre¬mieren¬daten und Spiel¬zeiten beantwortet werden. Jede Ergän¬zung, die aktuelle wie die retrospektive, erhöht die Tauglich¬keit der Reper¬torien¬datei als eines universellen Find¬mittels. Der Gesamtbestand der Datensätze beträgt zurzeit 36’423.

Die Plakatdatenbank umfasst 5930 Titel. Das 2005 lancierte Inventarisierungs-Projekt, dessen Finanzierung durch Drittmittel erst im Januar 2006 gesichert war, wurde nach Endkontrollen der Datenbestände im Februar 2008 vorläufig abgeschlossen.

Wie in den Vorjahren erwähnt, betreut seit Frühjahr 1996 ein Pensio¬nierter, Herr Walter Zaugg, den in die STS eingebrachten Bestand an Veranstalter¬publi¬kationen aus Sektionen des Zentralverbandes Schweizer Volkstheater (ZSV). Per Ende 2008 enthielt diese von ihm erstellte spezielle Repertorien-Datenbank 13’114 Datensätze. Die elektronische Erschliessung erlaubt neben geo¬graphisch ausgerichteten Recherchen auch solche nach Autoren und Titeln. Aus Altersgründen wird sich Herr Zaugg 2009 zurückziehen. Wir danken ihm für sein langjähriges Wirken und sind ihm sehr verbunden, dass er mit Hans Oppliger nicht nur einen geeigneten Nachfolger gefunden hat, sondern auch bereit ist, diesen in die Arbeit einzuführen.

Im Berichtsjahr erfuhren die Bestände der STS einen beträchtlichen Zuwachs durch Schenkungen und Nachlässe. Das Theater 1230 in Bern vermachte der STS seine gesamte Dokumentation des Betriebs (inkl. Videos, Plakate, Programmhefte etc.). Der Tessiner Theaterwissenschaftler Pierre Lepori schenkte der STS sein Archiv zur Tessiner Theatergeschichte (inkl. wertvoller Tondokumente zum „radioteatro“ aus der Frühzeit des Radios) und den bedeutenden Nachlass des Theatermannes Alberto Canetta. Mit der Überlassung des Materials zur Tessiner Theatergeschichte wurde die Stellung der Theatersammlung als Dokumentationsstelle aller Sprachregionen gestärkt. In die Freude über die erhaltenen Dokumente und Objekte mischt sich aber nicht selten die Sorge: die in Kisten und Säcken verpackten Kostbarkeiten stapeln sich in der Garderobe, der Bibliothek und den Büroräumlichkeiten. An eine schnelle Inventarisierung ist aufgrund der Personalknappheit nicht zu denken.

Während der Sommerschliessung 2008 ging es erneut im Wesentlichen darum, der eminenten Raumknappheit an der Schanzenstrasse 15 entgegen zu wirken. Da die Rollgestelle definitiv belegt und keine Ausbaumöglichkeiten mehr vorhanden waren, konnte nur noch die Auslagerung von Archivbeständen ins Auge gefasst werden. Mit der Osteuropa-Bibliothek konnte für 2008 nochmals eine Ausnahme vereinbart werden. Eine Lösung der Raumproblematik – auch das zweite Aussenlager der STS ist voll – lässt sich nicht länger aufschieben. Der Stiftungsratsausschuss ist mit der Aufgabe betraut worden, nach einem Ausweg aus der Notlage zu suchen.

D. Im Dienst der Öffentlichkeit

1. Führungen durch Bibliothek, Archiv und Ausstellung

Jährlich wiederkehrend sind Führungen, die für Studien¬an¬fänger des Instituts für Theaterwissenschaft an der Universität Bern, der Berner Hochschule der Künste sowie der Zürcher Hochschule der Künste durchgeführt werden. Sie dienen der Einführung in den effizienten Gebrauch der Bestände und der Erschliessungsmittel.

Besonders wichtig waren im Berichtsjahr die Besuche von Gruppen, die die STS in Zukunft bei der politischen Lobbyarbeit und bei der Finanzierung von Sonderprojekten unter die Arme greifen könnten. Zu erwähnen sind hier die Kulturgruppe der Berner FDP und der Dachverband der Swiss Foundations (mit Gast Pius Knüsel von Pro Helvetia). Beiden Gruppierungen durften wir die Schätze der Theatersammlung zeigen und sie auch eingehend über die schwierige Lage der STS informieren. Die Besucherinnen und Besucher waren durchwegs begeistert und sicherten der STS Hilfestellungen und finanzielle Unterstützung zukünftiger Projekte zu. Erste Erfolge konnten schon erzielt werden: Unterstützung des Drucks der „Luzerner Theatergeschichte“ durch die Göhner-Stiftung, Vermittlung des Sponsorings für Buchhaltungsarbeiten (Internet-Treuhänder) durch die Firma bdo-Visura.

Im Auftrag des Stiftungsrats erarbeitete Frau Susanna Tschui die STS-Ausstellung «Faust auf Schweizer Bühnen». Die Ausstellung wurde am 2. Mai 2008 im Schloss Thun u.a. zu Ehren des zurückgetretenen Direktors Martin Dreier eröffnet und bis 31. Okt. mit grossem Erfolg gezeigt.

2. Entwicklung der Besucherzahlen

Jahr Anzahl Besucher davon Anzahl und Besucherinnen in Gruppen Gruppen 2000 2’121 788 * 2001 2’463 919 * 2002 2’464 758 52 2003 2’761 636 42 2004 3’041 623 40 2005 2’575 601 36 2006 2’854 845 56 2007 2’278 718 41 2008 2’089 715 46 * = keine Auswertung bisher

In der Gesamtzahl der Besucher für 2008 sind auch jene der sechsten Berner Museumsnacht vom 28. März enthalten, nämlich 441 (Vorjahr: 521) Personen.

3. Leihgaben für Ausstellungen

Zu den Aufgaben der STS gehört es auch, Ausstellungen von Dritten mit Leihgaben aus ihren Beständen zu beliefern. Zu erwähnen sind hier mehrere Ausstellungen, welche die STS im Berichtsjahr mit Leihgaben bereichern durfte: Schloss Halbthurn (Burgenland Österreich): Weiblichkeiten. Rollen kombinieren: die Qual der Wahl. Vom 25.4. – 26.10.2008 (danach: Frauenmuseum Hittisau, Vorarlberg-Österreich, 24.4. – 25.10.2009). Zentralbibliothek Zürich, Predigerchor: Ausstellung zu Otto Baumberger. 4.1.2008 – 8.2.2008. Salzburg, Museum der Moderne: Paul Klee. Melodie und Rhythmus. 25.10.2008 – 1.2.2009 Morges, Musée Alexis Forel: L’Histoire du Soldat. 14.3. – 3.6.2008 Mézières, Théâtre du Jorat: Cingria et Morax. 20.4. – 6.7.2008. Bruxelles, Palais des Beaux-Arts: Paul Klee – Überall Theater. 15.2. – 25.5.2008 (Ausstellung des Zentrums Paul Klee).

4. Sechste Berner Museumsnacht

Das Programm der Berner Museumsnacht am 28. März wurde noch vom ehemaligen Direktor Martin Dreier konzipiert und realisiert. Es umfasste mehrere Führungen zu theatergeschichtlichen Themen durch die Dauerausstellung (durchgeführt durch die neue Leiterin und Absolventen des Instituts für Theaterwissenschaft). Weitere Programmpunkte waren ein von Martin Dreier produziertes Video eines Gesprächs der Leiter des Theaters an der Effingerstrasse, Ernst Gosteli und Markus Keller, mit dem Kulturkritiker Fred Zaugg sowie ein Video zu Inszenierungsvergleichen der Operette „Die Fledermaus“. Als Kinderprogramm wurde begleitetes Basteln von Papiertheatern und Papiermasken angeboten. Wie in früheren Jahren waren Vorbereitungen und Durchführung der Museumsnacht mit beträchtlichem Zusatzaufwand verbunden. Die Publikumswirkung ist jedoch unvermindert gross; die STS wird trotz knapper personeller und finanzieller Mittel auch in Zukunft nicht auf diesen viel beachteten Öffentlichkeitsauftritt verzichten können.

E. Im Dienst der Wissenschaft

Zusammenarbeit mit dem Institut für Theaterwissenschaft Ende 2008 wurde die Zusammenarbeit mit der Universität Bern (Institut für Theaterwis¬senschaft) durch eine von allen Beteiligten unterzeichnete Kooperationsvereinbarung schriftlich fixiert. Dieser Vertrag regelt die Bereiche der Zusammenarbeit und Kompetenzen der beiden Institutionen. Forschende, Lehrende und Studierende des ITW gehören auch nach dem Erscheinen des Schweizer Theaterlexikons zu den intensivsten Benutzern der STS. Besonderen Zuspruch erfahren die Datenbanken der STS, aber auch ihre weit über 9’000 Titel zäh¬lende Video-Sammlung, die hervorragende Dienste für Forschung und Lehre leistet. Die Zusam¬men¬arbeit mit dem ITW (Bibliothek, Bereitstellen von Quellen zur Forschung und Lehre u. a.) wurde fortgeführt und weiter vertieft. Das neu angelaufene Projekt „Berner Theatergeschichte“ wäre ohne die für den Raum Bern besonders reich dotierten STS-Bestände nur schlecht realisierbar. Im Rahmen dieses Projekts, an dem drei Doktorierende arbeiten, werden Dokumente, Objekte, Bildmaterialien sowie Videos und Tondokumente der STS intensiv erforscht und im Rahmen der vorgesehenen Buchpublikation und der Ausstellung sowohl einem wissenschaftlich interessierten Publikum wie auch einer breiteren Öffentlichkeit präsentiert. Das nächste durch das ITW und die STS gemeinsam geplante Grossprojekt, eine integrale Theatergeschichte der Schweiz, ist ohne die Quellen der Schweizerischen Theatersammlung schlicht nicht denkbar. Ähnliches gilt auch für das bereits in Arbeit befindliche ITW-Projekt «Das Theater der Schweiz», das im Rahmen des internationalen Projekts „Theatersysteme kleinerer europäischer Länder“ erarbeitet wird.

F. Internationale Kontakte

Die internationalen Kontakte haben mit dem Stellenantritt der neuen Direktorin einen anderen Schwerpunkt erhalten. Während der Vorgänger von 1989 bis 2007 als Trésorier der Fédération Inter¬nationale pour la Recherche Théâtrale (FIRT) amtete, liegen die internationalen Kontakte von Heidy Greco-Kaufmann eher im Bereich der wissenschaftlichen Vortrags- und Publikationstätigkeit. Aufgrund langjähriger Forschungsarbeit und als Mitglied der international zusammengesetzten Arbeitsgruppe für Theaterhistoriographie ist sie mit der scientific community bestens vernetzt. Diese über Publikationen und Kongressbesuche aufgebauten Beziehungen dienen dem Wissensaustausch und bilden eine hervorragende Möglichkeit, den Forschungen zur Theatergeschichte der Schweiz auch im Ausland Resonanz zu verschaffen. Im Berichtsjahr referierte die Direktorin auf Einladung des „Laboratoire de médiévistique occidentale de Paris, Groupe d’étude sur le théâtre médiéval“ am 24.5.2008 im „Centre national de la recherche scientifique“ (Paris, Sorbonne) zum Thema: „Les origines du mystère de la Passion de Lucerne. Paraliturgies, dévotion populaire, représentation.“ G. Zukunft der STS

1. Strategie des Stiftungsrats

Die veränderte personelle und finanzielle Situation nach dem Wechsel des Finanzierungsmodells (Wegfall des Kantonsbeitrags, teilweiser Ersatz durch 1,5 von der Universität Bern finanzierte Stellen mit Verpflichtung zu Forschung und ab 2009 auch Lehre) rief nach einer vertieften Auseinandersetzung mit der zukünftigen Ausrichtung der STS. Der Stiftungsratsausschuss erarbeitete dazu Leitlinien, die in der unten wiedergegebenen Version auch vom gesamten Stiftungsrat genehmigt wurden.

Leitlinien zur strategischen Positionierung der Schweizerischen Theatersammlung in Bern (STS)

I Strategisches Ziel und Tätigkeitsbereiche

Das langfristige strategische Ziel der STS ist die gleichwertige Positionierung im Bereich des Theaterwesens

➢ als wissenschaftlicher Hilfsdienst bzw. Ort der Forschung (für Angehörige der Uni¬versitäten und Fachhochschulen im Kanton Bern, in der gesamten Schweiz sowie im Ausland), und ➢ als Anbieterin von breitenwirksamen kulturellen Angeboten (permanenter Aus¬stellungs- und Vermittlungsort sowie periodische öffentlichkeitswirksame Kultur¬projekte).

Beide Tätigkeitsbereiche sollen eine gesamtschweizerische Wirkung erzielen und sind regional in der Stadt und im Kanton Bern als Sitz der STS seit 1978 verankert. Die Doppelfunktion der STS – wissenschaftlicher Hilfsdienst und Kulturanbieterin – ist in der Stiftungsurkunde vom 22. Dezember 1978 festgehalten. Die regionale Verankerung des wissenschaftlichen Hilfsdienstes äussert sich dadurch, dass die Universität Bern als wichtigste Partnerin der STS das unbestrittene Zentrum der Theaterwissenschaft in der Schweiz ist, diejenige des kulturellen Angebots liegt darin, dass die STS insbesondere von Personen aus der Stadt und dem Kanton Bern genutzt und besucht wird (beispielsweise i.d.R. eine Schulklasse wöchentlich).

II Finanzielle und personelle Ressourcen

Für den Zeitraum 2008 bis 2011 sind die finanziellen und personellen Ressourcen der STS für den wissenschaftlichen Bereich annähernd sichergestellt. Für die Aufrechterhaltung des breitenwirksamen kulturellen Angebots ist die Finanzierung hingegen nicht gewähr¬leistet. Mittelfristig sollte die Basisfinanzierung sowohl des wissenschaftlichen Bereichs wie auch des kulturellen Angebots durch Betriebsbeiträge sichergestellt sein. Die STS sollte dadurch eine nachhaltige finanzielle und personelle Basis für beide Tätigkeitsbereiche erhalten.

Der wissenschaftliche Hilfsdienst bzw. der Ort der Forschung wird teilweise durch Bundesbeiträge nach Forschungsgesetz Art. 16 und teilweise durch die Universität Bern finanziert. Drittmittel zur Durchführung von wissenschaftlichen Projekten müssen zusätzlich eingeworben werden. Die Weiterführung der Finanzierung des wissenschaftlichen Bereichs ab 2012 durch beide Partner (Bund und Universität Bern) muss sichergestellt werden und hat erste Priorität. Der Entscheid über diese Weiterführung hängt wesentlich davon ab, ob es der STS gelingt, sich verstärkt als wissenschaftlicher Hilfsdienst für die Theaterforschung an der Universität Bern und an weiteren Schweizer Hochschulen zu positionieren. Die Direktorin der STS muss sich deshalb auf die Stärkung des wissenschaftlichen Hilfsdienstes und auf die Forschungsaktivitäten der STS konzentrieren können. Voraussetzung hierfür ist, dass sie über ausreichende Ressourcen für die administrative und organisatorische Leitung der STS verfügt und hier Teilbereiche operativ delegieren kann.

Im Bereich des breitenwirksamen kulturellen Angebots ist ein breit abgestütztes Fundraising (private und staatliche Förderbeiträge, Spenden und Schenkungen sowie Mitgliederbeiträge des Fördervereins) zur Aufrechterhaltung des Betriebs sowie zur gezielten Finanzierung von Kulturprojekten aufzubauen. Mittel zur Finanzierung der kulturellen Angebote müssen durch die Direktorin der STS, die Mitglieder des Stiftungsrates und den neu zu gründenden Förderverein akquiriert werden. Mittelfristig sollte sich die neu positionierte STS aufgrund ihrer regionalen Verankerung und nationalen Bedeutung wiederum um den Erhalt von Subventionen von Stadt, Region und Kanton Bern sowie gegebenenfalls Bund bemühen.

III Präsidium Stiftungsrat und Gründung Förderverein

Vor diesem Hintergrund wäre es von Vorteil, das Präsidium des Stiftungsrats mit einer auf nationaler Ebene politisch tätigen und breit vernetzten Persönlichkeit (z.B. ein Mitglied der national- oder ständerätlichen Kommmission für Wissenschaft, Bildung und Kultur) neu zu besetzen. Beim neu aufzubauenden Förderverein könnte das Präsidium durch eine politisch und/oder gesellschaftlich etablierte und breit vernetzte Berner Persönlichkeit besetzt werden.

2. Projekte

Die Direktorin verfolgt verschiedene Projekte, die der Profilierung der STS als wissenschaftlichem Hilfsdienst dienen:

Oberste Priorität haben die Bemühungen, die Datenbanken der STS online zugänglich zu machen. Der Internet-Zugriff auf unsere diversen Dateien würde die Recherchemöglichkeiten für Forschende sehr erleichtern und – wie Erfahrungen anderer Institutionen zeigen – den Benutzerkreis markant erweitern. Die Aufbereitung der FileMaker-Dateien erfordert aber diverse Vorbereitungsarbeiten, die von den STS-Angestellten nicht geleistet werden können. Da der Beizug von Spezialisten aus der Wirtschaft nicht finanzierbar war, wurde das Gespräch mit der Berner Fachhochschule für Architektur und Informatik gesucht. Es konnten zwei Studierende gewonnen werden, die im Rahmen ihrer Bachelor-Arbeit bis zum Sommer 09 Bedürfnisabklärungen vornehmen und der STS einen entsprechenden Vorschlag für die Umsetzung des Projekts „STS-Datenbanken ans Netz“ unterbreiten. Für die Realisierung des Projekts sind jedoch Gelder vonnöten. Erste Gespräche mit möglichen Sponsoren wurden schon geführt. Am weitesten gediehen sind die Verhandlungen mit Migros-Kulturprozent.

Voraussetzung für die Installation des Zugriffs auf Datenbanken ist eine moderne Homepage. Diese wurde mit Hilfe eines Angestellten des ITW erstellt und kürzlich aufgeschaltet. Die jetzige Version darf aber nur als vorläufige, im Aufbau befindliche, betrachtet werden.

H. Finanzen

Die Jahresrechnung der Stiftung kann per 31.12.2008 mit einem kleinen Gewinn von Fr. 91.98 abgeschlossen werden. Da aus dem Vorjahr noch ein positiver Saldo von Fr. 704.71 existiert, resultiert ein Gewinnvortrag von Fr. 796.69. Das positive Jahresergebnis konnte nur durch rigorose Sparmassnahmen und den absoluten Verzicht auf Anschaffungen im Bereich Mobiliar/Apparate erzielt werden. Da viele Gerätschaften und Einrichtungen veraltet sind, wurde für diesen Bereich Rückstellungen von Fr. 23’000.— vorgesehen. Weitere Rückstellungen im Umfang von Fr. 40’000.— wurden für das Projekt „Berner Theatergeschichte“ gemacht.

Der vom EDI verfügte Bundesbeitrag gemäss For¬schungs¬gesetz Art. 16 wurde unter Berücksichtigung des Beitrags der Universität Bern auf Fr. 274’000.- festgelegt. Der in-kind-Beitrag der Universität Bern betrug 2008 Fr. 224’684. 70, durch die Habilitation und die damit verbundene höhere Einstufung der Direktorin wird der Beitrag der Universität für das Jahr 2009 auf rund Fr. 240’000.- ansteigen. Durch die Stadt Bern wurde die STS 2008 wiederum indirekt über die Dienststelle «Arbeit statt Fürsorge» und den Sozialdienst unterstützt (geschätzter Wert der erbrachten Leistungen: Fr. 140’000.—). Gestützt auf den Regierungsratsbeschluss vom 15. Oktober 2003 richtete der Kanton Bern (Stiftungsträger!) 2008 erstmals keine Beiträge an den Betriebskredit der STS mehr aus. Mit Freude durften wir aber zur Kenntnis nehmen, dass sowohl Stadt wie auch Kanton Bern das Projekt „Berner Theatergeschichte“ mit namhaften Beiträgen unterstützen (Stadt ab 2009-2011 mit 20’000.—jährlich, Kanton ab 2008-2011 mit 80’000.— jährlich). 09.04.09 HG / 11.05.09 ws